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Mětšk, Juro
Komponist
Juro Mětšk wurde am 1. Mai 1954 in Bautzen in der Lausitz geboren. Er entstammt einer kulturell aufgeschlossenen sorbischen Familie. Der Vater war promovierter Altphilologe und Slawist, wirkte als Schriftsteller und Übersetzer und leitete, nachdem er 1949 aus Krieg und Gefangenschaft zurückgekehrt war, die Sorbische Oberschule in Bautzen. Die Mutter, eine in Prag ausgebildete Bibliothekswissenschaftlerin, war zeitweise Chefredakteurin einer sorbischen Zeitschrift. Als Achtjähriger bekam Juro Mětšk ersten Klavierunterricht, wenig später begann er zu komponieren. Die ersten ernsthaften Versuche datieren aus dem Jahr 1967. Dass die Komponisten Jan Raupp und Jan Paul Nagel zum Verwandtenkreis gehörten, war für Juro Mětšk hilfreich.
Nagel reiste 1968 mit Mětšk nach Berlin zu Rudolf Wagner-Regeny, der dessen außerordentliche Begabung erkannte und dafür sorgte, dass an der Berliner Spezialschule für Musik eigens für Mětšk das Fach Komposition eingerichtet wurde. Sein Kompositionslehrer war hier Eberhard Rebling. 1971 setzte Mětšk seine Ausbildung an der Berliner Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ fort, wo er bei Günter Kochan studierte. Nach dem Abschluss des Studiums im Jahr 1976 war Mětšk gezwungen, eine Stelle als Lehrer an der Musikschule von Flöha anzunehmen, wo er Klavier und Musiktheorie unterrichtete – eine Tätigkeit, die seinem Wesen und seinen Fähigkeiten kaum entsprach. 1980 wurde er Meisterschüler von Reiner Bredemeyer an der Berliner Akademie der Künste. Während dieser Zeit pendelte er zwischen Bautzen und Berlin. 1983 kehrte er endgültig in seine Heimatstadt zurück, wo er bis 1986 als Musikdramaturg am Sorbischen Volkstheater arbeitete. Ab 1986 wirkte er als freischaffender Komponist. Juro Mětšk starb am 20. Januar 2022 nach langer Krankheit.
Juro Mětšk war ein Komponist, der sehr früh – schon während des Studiums – seine eigene musikalische Sprache ausprägte. Dabei bezog er sich sehr bewusst auf eine bestimmte Traditionslinie der musikalischen Moderne. In einem 2019 von Theresa Jacobs geführten Interview bekannte er, er habe sich „gezielt auf die schöpferischen Prinzipien der sogenannten Wiener Schule … konzentriert. Im Weiteren wird dann die Generation der nachkriegsmodernen Komponisten wie Stockhausen, Boulez, Nono und Ligeti interessant. (…) Da war für mich ein verbindlicher musikhistorischer Moment, wo ich angeknüpft habe.“ Nachzuvollziehen ist das beispielsweise in den CANTI PER VIOLONCELLO E PIANO (1973, rev. 1984), den ACCENTS ANTIQUES für Streichquartett (1975) oder dem Orchesterwerk PSYCHOGRAMME, das Mětšk zum Studienabschluss 1976 komponierte. Neben dem Anknüpfen an Schönbergs Dodekaphonie spielen in seiner Musik bald auch serielle Techniken eine Rolle, wobei Mětšk die Prinzipien dieser Kompositionsmethoden nie dogmatisch, sondern eher im Sinne eines „sanften Regulativs“ (Armin Köhler) aufgriff. Auffällig ist, dass die Musik von Juro Mětšk von jeweils aktuellen Strömungen, Trends und Moden der zeitgenössischen Musik, die der Komponist gleichwohl interessiert verfolgte, weitgehend unberührt blieb und er stattdessen den einmal gewählten ästhetischen und kompositorischen Ansatz ein Leben lang weiterverfolgte. Als Ausnahmen könnten lediglich einige um 1980 entstandene Werke gelten, in denen er elektronische Mittel und aleatorische Techniken einbezog, das klangfarbliche und artikulatorische Spektrum der Instrumentalisten erweiterte und gelegentlich die Sphäre des Instrumentalen Theaters berührte. Solche Tendenzen blieben aber im Œuvre von Mětšk Episode. Eine Eigenart, die viele seiner Werke charakterisiert, ist die ausgesprochene Vorliebe für tiefe Register und dunkle Klangfarben und deren spezifische Expressivität: So sind beispielsweise in seinem letzten Ensemblewerk, STIGMA, Klarinette, Tenorsaxophon, Bassetthorn, Baritonsaxophon, Bassklarinette, Violoncello und drei Kontrabässe gefordert.
Das Œuvre von Juro Mětšk ist eindeutig auf die instrumentale Kammermusik fokussiert, eine Rolle spielen sodann auch das klavierbegleite Lied und in deutlich geringerem Maße Orchestermusik. Hinzu kommt der Bereich der angewandten Musik: Seit 1986 komponierte Mětšk regelmäßig für Theater, Puppenspiel und Film, wobei es gelegentlich Verbindungen zwischen angewandter und konzertanter Musik gibt.
Jens Schubbe









